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Goethes naturwissenschaftliche
Arbeiten sind seit ihrem Erscheinen Gegenstand intensiver kritischer
Auseinandersetzung gewesen. Dies vor allem deshalb, weil sie sich
dem Konsens eines allein quantitativ ausgerichteten, mathematischen
Verfahrens nicht unterworfen haben. Goethe war demgegenüber bemüht,
den qualitativen Gehalt eines Forschungsgegenstandes zu erschließen.
Der Autor legt dar, daß Goethes
Naturwissenschaft nicht einfach naiv-realistisch – wie vielfach
unterstellt – eine künstlerische Weltsicht vertritt, sondern wesentliche
Positionen insbesondere der kritischen, aber auch der antiken Philosophie
reflektiert. In einer an Kant angelehnten krititschen Besinnung
wird sich Goethe des Dualismus von Idee und Erfahrung philosophisch
bewußt. Dies bedeutet für ihn jedoch keine prinzipielle Unvereinbarkeit.
Die Steigerung des erkennenden Vermögens führt faktisch je und je
zu einer Anschauung der ideell-gestaltbildenden Kräfte der Natur.
In diesem Sinne fordert Goethes
Erkenntnisidee einen neuen Begriff von Wissenschaft, der diese nicht
als ein bibliothekarisch verfüg- und abrufbares Wissen begreift,
sondern als einen Entwicklungsprozeß des wissenschaftlichen Individuums
selbst, das im Erkennen ein Welt und Mensch umgreifendes Wirklichkeitsbewußtsein
begründet. Diese ethische Dimension des Erkennens verleiht Goethes
Wissenschaft gegenwärtig besondere Aktualität.
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