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Herausgegeben vom Ludwik Fleck Kreis (Basel) und
dem Ludwik Fleck Zentrum am Collegium Helveticum (Zürich)
Bis vor kurzem noch ein Geheimtip, entwickelt sich
Ludwik Fleck seit einiger Zeit zu einem der prominenten Kronzeugen
der Wissenschaftsforschung. Fleck (1896-1961) darf vor allem durch
seine 1935 erschienene Studie Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen
Tatsache (wiederveröffentlicht 1980) als Begründer einer
soziologischen Wissenschaftsforschung gelten. Sein Ausgangspunkt
war nicht - wie bei fast allen vor ihm und noch den meisten nach
ihm - die theoretische Physik, sondern das Spannungsfeld zwischen
›lebens‹wissenschaftlicher Laborarbeit und verschiedenen Spielarten
der Philosophie. In seine Reflexion gingen aber auch die Erfahrungen
der Umstände eigener Forschung in Klinik, Ghetto und im KZ
ein, die er später unter ethischen wie epistemologischen Gesichtspunkten
erörtert hat.
In den FLECK-STUDIEN werden bisher noch nicht übersetzte Artikel
Ludwik Flecks veröffentlicht, die dieser vor allem in polnischen
Zeitschriften publizierte. Ergänzt werden sie durch Materialien
aus der Forschungsdokumentation von Thomas Schnelle, der massgeblich
zur Rezeption Flecks im deutschen Sprachraum beigetragen hat.
Die FLECK-STUDIEN sehen ihre Aufgabe nicht in der bloßen Edition
von Originalartikeln und Archivmaterial. In den Bänden der
Reihe sollen den weitgehend unbekannten Texten Flecks neueste Beiträgen
aus der Forschung zu seinem Denken und dessen Wirkungsgeschichte
an die Seite gestellt werden.
Band 1

Birgit Griesecke, Erich-Otto Graf (Hrsg.)
VERGLEICHENDE ERKENNTNISTHEORIE
242 S., 13x21 cm, zahlr. Abb., Broschur
ISBN 978-3-937262-44-4
€ (D) 27,00 / € (A) 27,80 / sfr 46,30
Der erste Band dokumentiert eine schwungvolle und instruktive Debatte, die sich Fleck mit der Logikerin Izydora Dambska in der polnischen Zeitschrift Przeglad Filozoficzny (»Philosophische Rundschau«) in drei aufeinanderfolgenden Ausgaben 1936-1937 über Erkenntnis, Wahrnehmung, Intersubjektivität und Nor-malität liefert. Die Enthronung des »normalen Menschen« als das herkömmliche Subjekt der Erkenntnistheorie durch Flecks Konzeption variabler Denkstile mußte Widerspruch aus der Lem-berg-Warschau-Schule provozieren, die ähnlich wie der Wiener Kreis ein logisch-positivistisches Programm verfolgte.Die Debatte zeigt Dambska als eine streitbare, tief in der philoso-phischen Tradition verwurzelte Gegenerin der Fleckschen Ideen und Fleck als einen soziologisch und ethnographisch argumen-tierenden Autor, der mit Witz und Polemik seine Sache gegen den philosophisch hochgehaltenen »consensus omnium« zu verteidigen weiß.
Mit Texten von Birgit Griesecke über Flecks
Ethnologisierung des Erkennens, Erich Otto Graf über die Verstörung
des gesunden Menschenverstandes und historisch-biografischen Anmerkungen
zur Fleck-Dmbska-Debatte von Karol Sauerland.
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